26. November 2020 - 5. April 2021

Das Brot aus dem See

Eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem ältesten Sauerteigbrot der Schweiz
1976 machen Archäologinnen bei Grabungen am Bahnhof in Twann einen europaweit einzigartigen Fund. Zwischen Pfahlbauten, Knochen und Pfeilspitzen finden sie ein intaktes Sauerteigbrot. Es weist alle Eigenschaften eines heutigen Brotes auf. Der entscheidende Unterschied: Dorfbewohnerinnen backten es vor rund  5500 Jahren in einer jungsteinzeitlichen Ufersiedlung. 

In unsicheren und unsteten Zeiten wie diesen, drängen sich Fragen nach der eigenen Vergänglichkeit auf. Gleichzeitig – oder gerade deshalb – haben sich in letzter Zeit viele Menschen dem jahrtausendealten Herstellungsprozess von Sauerteig gewidmet. Das Brot von Twann ist der Beweis für die Beständigkeit und der Fortdauer dieses Prozesses und schlussendlich der menschlichen Existenz. Die künstlerische Auseinandersetzung der drei Autorinnen Silja Dietiker, Jeannette Fischer und Susanne Vögeli mit dem Brot von Twann gibt es im Mühlerama zu entdecken. 

Die forschende Köchin Susanne Vögeli setzte am Fundort des Brotes einen eigenen Sauerteig an. Daraus entstanden 10 Brote und Fotografien, die an kleine Planeten im dunklen All erinnern. Die Künstlerin Silja Dietiker nimmt uns mit ihrer Videoinstallation ins Innere eines blubbernden Sauerteigs. Der Kosmos der Mikroorganismen ist körperlich erfahrbar und ein Erlebnis für alle Sinne.  Mit philosophischen Sinnsprüchen hinterfragt die Psychoanalytikerin Jeannette Fischer unser Verständnis von Zivilisation, Macht und Herrschaft. Sie fordert dazu auf, die Spuren der Zivilisation nicht wie eine Erzählung der Befreiung, sondern der Abhängigkeiten zu lesen. 

Veranstaltungen: Die 3 Veranstaltungen im Rahmen der Sonderausstellung finden online statt. Anmeldung hier. 

 

Podcast zur Sonderausstellung

Die Mühlen der Zivilisation mit James C. Scott

Das lebhafte und informative Gespräch zwischen James C. Scott und Jeannette Fischer. Im intimen Rahmen erzählte uns der renommierte Anthropologe und Politologe von seiner neusten Forschung, einer Tiefengeschichte der frühsten Staaten und wie alles mit dem Getreideanbau zusammenhängt.

Zusammenschnitt aus dem Online Anlass vom 18.3.2021 in Englisch

Deutsche Uebersetzung am Anlass: Tania Baier

Produktion: Sina Jenny und Iris Rennert

Podcast zur Sonderausstellung

Reifung als Kulturleistung

Die Reifungsprozesse, die dem Brot von Twann zugrunde liegen, sind seit tausenden von Jahren unverändert geblieben. Wir möchten den Blick auf das Getreide selbst legen. Welche Rolle spielt die Zeit und welche Auswirkungen hat die Verkürzung des Reifeprozesses auf die Qualität der Ernährung?

Der professionelle Getreidezüchter Peter Kunz spricht mit der forschenden Köchin und Ausstellungsmacherin Susanne Vögeli über den Anbau, die Verarbeitung und den Verzehr von Getreide. 

Zusammenschnitt aus dem Online Anlass vom 4.3.2021

Produktion: Sina Jenny und Iris Rennert

Podcast zur Sonderausstellung

Sie drinnen am Herd, er draussen in der Welt: feste Rollen seit Urzeiten?

Prof. Dr. Brigitte Röder hat uns mit ihrem Vortrag zu Geschlechterrollen in der Steinzeit die Augen geöffnet. Wie die Rollenverteilung in der Steinzeit aussah, woher die stereotypen Vorstellungen von Männern als Jäger und Frauen als Sammlerinnen kommen und was das alles mit unserer jetzigen Gesellschaft zu tun hat.

Zusammenschnitt aus dem Online Anlass vom 11.2.2021

Produktion: Sina Jenny und Iris Rennert

Podcast zur Sonderausstellung

Sauerteig backen – Eigenermächtigung von Zeit

Bernhard Tschofen, Professor für Populäre Kulturen UZH besuchte die Ausstellung gemeinsam mit dem Museumsleiter Pius Tschumi.

Aufnahme vom 16.12.2020
Produktion: Sina Jenny und Iris Rennert

Impressum

Autorinnen
Silja Dietiker
Jeannette Fischer
Susanne Vögeli

Kuratorin
Sina Jenny

Grafik und Gestaltung
Emanuel Tschumi

Ausstellungsbau
Andreas Bommer
Levin Dennler

Gesamtleitung
Pius Tschumi

Leihgabe
Annelise Zwez, Fraubrunnenhaus, Twann
Archäologischer Dienst, Kanton Bern

Druck
Bost GmbH, Maur

Mit der finanziellen Unterstützung von
Walter Buchmann AG
EXEKIAS Stiftung
Stadt Kultur Zürich